
Vom Spielfeld an die Spitze des Vereins: Matthias Möhl kennt den Fußball nicht nur aus der Perspektive eines Spielers, sondern auch aus der Verantwortungsetage. Als neuer 1. Vorsitzender bringt er frischen Wind, klare Ideen und eine große Portion Leidenschaft mit. Im Gespräch spricht er über seine neue Rolle, die Bedeutung einer starken Jugendarbeit und seine Vision, den Verein sportlich wie strukturell weiterentwickeln zu wollen.

Matthias, Ende des Jahres feiert der Verein sein 20-jähriges Vereinsjubiläum, wie würdest du die Geschichte und Bedeutung des TSV Großfahner beschreiben?
20 Jahre TSV Großfahner, das sind unzählige spannende Fußball- und Volleyballspiele, tausende Laufkilometer, viele Laufeinheiten, schweißtreibende Trainingseinheiten, Wettkämpfe, Siege und Niederlagen. Vereine bieten den Menschen die Möglichkeit, sich ohne große Kosten sportlich zu betätigen und sich auch gemeinsam mit anderen aktiv zu engagieren. Dieses Engagement ist für den Zusammenhalt in der Gesellschaft sehr wichtig und bedeutet einen großen Gewinn an Lebensqualität. Sie hat also eine soziale Bedeutung für eine dörfliche Gemeinschaft. Für den Ort Großfahner war es also großartig, dass sich 2006 viele junge und ehemalige Spieler und Verantwortliche des ursprünglichen TSV 1862 Großfahner zusammengefunden haben, um eine Neugründung voranzutreiben. Anfangs noch mit einer Männermannschaft gestartet, wurden schnell erste Nachwuchsteams gegründet und kontinuierlich ausgebaut. Einige Jahre später kamen die Abteilungen Judo und Volleyball dazu. Am Zulauf an Mitgliedern, Spielern, Judokas, Volleyballern, ehrenamtlichen Helfern, Trainern usw. sieht man welch große Rolle der Verein in nur wenigen Jahren in den Fahnerschen Höhen eingenommen hat. Prägende Figuren für diese Entwicklung waren Sven Kopka, Thomas Liebetrau, Frank Heinemann, Thomas Lipprandt sowie der erste Präsident Thomas Franke. Ihre Persönlichkeiten werden immer eng mit der Geschichte des TSV Großfahner verwurzelt sein.
Du warst einige Jahre als Spieler im Verein aktiv, seit Dezember vergangenen Jahres bist du nun 1. Vorsitzender des Vereins. Was hat dich motiviert diese Position zu übernehmen?
Nun. Mir war schon immer bewusst, dass ein Verein u.a. von dem Miteinander seiner Mitglieder geprägt wird. Dieses Miteinander macht einen Verein wie unseren TSV aus, wobei es aber nie ohne Mitglieder geht, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Da ich im Nachwuchsbereich des TSV 1862 Großfahner ausgebildet wurde, später meine ersten Männerspiele hier erleben durfte und auch für unseren heutigen TSV Großfahner als Spieler aktiv war, war es mir ein Anliegen den Verein auf seinem weiteren Weg zu unterstützen
Weil ich aber beruflich oft unterwegs bin, kam und kommt eine Trainerposition für mich nicht in Frage. Das es aber einmal als 1. Vorsitzender sein würde, hatte ich so nie gedacht. Als ich seinerzeit von Thomas Liebetrau (damals 1. Vorsitzender) gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte den Verein als Nachfolger zu führen, habe ich nach einer kurzen Bedenkzeit, recht schnell meine Zusage dazu gegeben und mich der Wahl gestellt.
Welche langfristigen Ziele verfolgst du mit dem Verein?
Wir möchten sportbegeisterten Menschen die Möglichkeit bieten ihren Sport beim TSV Großfahner ausüben zu können. Demzufolge sind wir auch offen weitere Sparten aufzubauen. Wir sind ein Breitensportverein und unsere Vereinsentwicklung ist kein Selbstläufer. Man muss als Sportverein attraktiv bleiben und immer wieder prüfen, dass man keine Trends verpasst, eine funktionierende Sportanlage und vor allem genügend qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeitende hat. Von der Organisation der Jugendarbeit inklusive Kinderschutz, Kooperationen mit Kitas, Schulen, Krankenkassen und Sponsoren, Qualifizierung von Trainern/Schiedsrichtern bis hin zu Veränderungen im Sportangebot sowie der Sportanlage haben wir in jüngster Zeit viele Ideen und Anregungen für die Zukunft gefunden. Wichtig ist mir dabei, dass wir unsere Mitglieder insgesamt erreichen: Aktive wie Passive, Alte wie Junge, unabhängig von Geschlechtern und körperlicher Leistungsfähigkeit.
Welche Rolle spielt die Jugendarbeit dabei?
Die Jugendarbeit spielt hierbei die größte Rolle. Nur mit jungen Sportlern wird es uns auf Dauer gelingen, auch im Erwachsenenbereich erfolgreich zu sein. Daher gilt unser Fokus auch sehr dem Nachwuchs. Diesen zu fördern aber auch zu Fordern um besser zu werden ist das Anliegen jedes einzelnen unserer Trainer und des gesamten TSV Großfahner. Das ist aber auch nicht erst seit heute so. Schon immer wurde hier viel Wert auf eine gute Jugendarbeit gelegt, damit erfüllt unser Verein auch eine Aufgabe mit hoher sozialer Bedeutung, die in den vergangenen Jahren gerade aufgrund des veränderten Freizeitverhaltens und Wertewandels sicher zugenommen hat. In Zukunft wollen wir unsere Jugendarbeit noch weiter intensivieren und unsere jungen Mitglieder noch stärker einbinden.
Was sind aktuell die größten Herausforderungen für den Verein?
Ich bin ja schon kurz auf die besondere Bedeutung von Ehrenamtlern eingegangen, die verlässlich auch unentgeltlich die Stützpfeiler eines Vereins zur Gewährleistung dessen Trainings- und Spielbetriebs sowie Vereinslebens sind:
Als Trainer, Übungsleiter, Betreuer, Platzwarte, Reinigungskräfte, Schiedsrichter und Vorstandsmitglieder und alle diejenigen, die „ja“ sagen, wenn mal „Not am Mann“ ist.
Aber auch als Elternteile, die Fahrten zu und von Sportveranstaltungen begleiten, sich bei Turnieren, Festivitäten u.ä. beteiligen, Standdienste übernehmen und beaufsichtigen. Wir sind froh, dass wir euch haben und können nicht deutlich genug DANKE sagen!
Insbesondere beim Kinderfußball und beim Judo gibt es weiterhin hohen Zulauf bzw. viele Nachfragen nach Aufnahme in unsere Gruppen. Aber um all diese Kinder und Jugendliche qualifiziert betreuen zu können, wünschen wir uns bei der Nachwuchstrainergewinnung mehr Zulauf. Gerade hier setzen wir auch auf das Engagement und die Bereitschaft unserer jugendlichen und erwachsenen Vereinsmitglieder im Trainings- und Spielbetrieb mitzuwirken. Hierdurch können wir all ihre Erfahrungen gewinnbringend einsetzen und weitergeben.
Altersentsprechend wird es in absehbarer Zeit in unserer Männermannschaft zu Veränderungen kommen. Wir sind aktuell gezwungen noch auf viele alte „Haudegen“ zurückzugreifen. Hier fehlen uns noch junge Leute, welche aber in ein oder zwei Jahren zur Verfügung stehen, da sie gerade den B-Juniorenjahrgang durchlaufen. Was man von den Jungs bisher sieht, stimmt uns für die Zukunft sehr positiv. Als Vorbilder sind hier sicher Jonas Scharfenberg, Finn Breithaupt und Friedrich Kopka anzusehen, die in ihrer ersten Saison im Männerbereich direkt für Aufsehen sorgen.
Die Vorgaben der Verbände und die Erhöhung der Verbandsabgaben stellt viele Vereine vor finanzielle Herausforderungen.
Als Folge eine Folge hierdurch, wird es nötig sein unser Vereinsheim in den kommenden Jahren umzubauen/auszubauen oder gar neu zu bauen. Hier prüfen wir aktuell alle Varianten. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltskasse der Kommune wird es aber zukünftig für uns um so wichtiger, neben dem ehrenamtlichen Engagement, Fördermittel zu generieren, Sponsoren zu gewinnen sowie Gelder durch Veranstaltungen wie z.B. Turniere, Feste, Aktionstage u.ä. Einzunehmen.
Im Zusammenhang mit dem Thema „Kommunikation“ hat auch die Nutzung der sozialen Medien eine enorme Bedeutung gewonnen. Die Umsetzung von Wünschen und Möglichkeiten setzt aber auch hier Ehrenamtler voraus, die hier Aufgaben übernehmen: hier suchen wir bereits seit geraumer Zeit nach Unterstützung.
Grundsätzlich sind „Ordnung und Sauberkeit“ ein Dauerthema. Hier geht es einmal um den Zustand unserer Sportanlage hinsichtlich Verunreinigungen und Beschädigungen, des Weiteren um den Verbrauch von Strom, Gas, Wasser sowie den Umgang mit Spiel- und Trainingsmaterial und Sportkleidung.
Was war dein schönster Moment im Verein und was motiviert dich persönlich, dich so stark für den Verein zu engagieren?
Persönlich war mein schönster Moment der Aufstieg unserer Männermannschaft in der Saison 2022/2023. Damit hatte zuvor niemand gerechnet. Jeder Einzelne hat in dieser Saison über seinem Potential gespielt, gepaart mit einer geschlossenen Mannschaftseinheit die letztendlich entscheidend für den Aufstieg war.
Aber es gab natürlich immer wieder herausragende Momente, die gezeigt haben, dass der Verein lebt. Hier möchte ich noch einen Landesmeister und Vizelandesmeistertitel unseres Judonachwuchses im letzten Jahr erwähnen. Dieses Miteinander und die Begeisterungsfähigkeit unserer Mitglieder, der Zusammenhalt in kritischen Situationen, die Loyalität bei gemeinsamen Aktionen sind für mich immer wieder genug Motivation, mich für den Verein zu engagieren.
Mit Blick auf unsere Frauenmannschaft und die Judokas bin ich extrem Stolz darauf was der Verein hier in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt hat. Und ich bin sicher, so wie sich alle Beteiligten Woche für Woche engagieren, werden wir beim TSV Großfahner noch viele schöne Momente erleben.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich hoffe, dass wir alle gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen erfolgreich meistern werden, und wünsche mir weiterhin eine so großartige Unterstützung aus dem Umfeld unseres Vereins. Ein großer Dank gilt an dieser Stelle unseren Sponsorinnen und Sponsoren sowie Spenderinnen und Spendern für ihre jahrelange Unterstützung. Ohne Diese würden wir vieles im Verein nicht leisten können.
Selbstverständlich wünsche ich uns allen weiterhin viel Spaß am Sport, an geselligen Unternehmungen, an Zusammengehörigkeit und Teamgeist mit Leidenschaft als Geheimnis des Erfolges. Hoffen wir, dass es weiterhin so viele „positive Verrückte“ gibt, die die Geschicke und Geschichte unseres Vereins für die nächsten 20 Jahre glücklich lenken.
Vielen Dank Matthias, für deine Worte und die sehr interessanten und aufschlussreichen Einblicke. Am Ende geht es eben nicht nur um den Sport, sondern um das, was wir gemeinsam daraus machen: Zusammenhalt, Leidenschaft und ein großes Stück Heimat.

